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Herzlich Willkommen

Wie wird die Zukunft?
Nein, nicht die für 2030. Sondern die für morgen – also für 2012, zwei Jahre weiter.
Diese Frage beschäftigt vermutlich nicht den touristischen Alltag. Sie sollte es aber. Denn wer nicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht wo er steht – geschweige denn wohin die Reise geht! Vor allem dann, wenn kein Ziel anvisiert ist.
Zukunfts- und Trendforscher bemühen sich ständig um Wegweisung. Prof. Opaschowski (BAT) hat einmal - zu Recht - auf den gravierenden Unterschied zwischen beiden aufmerksam gemacht:

  • Trendforscher gehen fast immer davon aus, dass „alles besser wird“
  • Zukunftsforscher (wie der BAT-Freizeitexperte) nicht.
  • Zukunftsforschung kennt immer auch Alternativen – d.h. es kann besser oder schlechter werden, auch bleiben wie es ist.

Das „nützt“ natürlich zunächst niemand. Aber es ist realistisch. Vor allem heute – mitten in der globalen Finanzkrise, die sich zur „Wirtschaftskrise“ entwickelt.
Trendforscher Matthias Horx hat nun seinen neuen „Trend-Report“ vorgelegt – und erste Schlagzeilen veröffentlicht. Die sieben für Tourismus möglicherweise wichtigsten „Schlüsseltrends“ der 2010er Jahre kurz unter die Lupe genommen:

 

 

  1. Kreativer Kapitalismus:
    Es geht hier um eine „neue Gesellschaftsordnung“; Horx geht davon aus, dass der Kapitalismus „gesiegt“ hat. Über Kommunismus und anderes. Stimmt das wirklich? Oder folgt nur der Casino-Kapitalismus (das ist die „kreative“ Buchführung) dem Kommunismus in die Pleite nach? „Kapital“ schießt im Fußball nicht immer die Tore –und im Tourismus ist es zwar wichtig, aber letztlich nicht entscheidend.
     
  2. Megatrend China:
    Da liegt er sicher richtig, aber das hat schon Bismarck vor über 120 Jahren gewusst. „Neu“ ist diese Erkenntnis wirklich nicht.
     
  3. AppsWorld:
    „One-Touch-Applikationen treiben die digitale Revolution in die nächste Runde“ – natürlich = bequem zu Hause die Welt erfahren, diese Träume sind relativ neu und kommen den Couch-Potatos entgegen. Aber: Jenseits der Online-Welt und High-Tech baut sich High-Touch auf – zurück zum Elementaren! Und das geht nicht gebückt sitzend vor dem Bildschirm, oder? 
     
  4. Fear Economy:
    „Wie Angst unser Bewusstsein prägt….“ = Ja, das wäre ein Rezept obrigkeitlicher Lenkung: Zuerst Angst machen und dann „Schutz“ anbieten! Im Tourismus funktioniert das nicht so gut. Oder sollen Frühbucher-Rabatte Angst machen vor steigenden Preisen?
     
  5. Private Spaceflight:
    Das „Neue Weltraumzeitalter beginnt“ – na ja, selbst Erich von Däniken musste sehen, dass sich der Mysterie-Park in Interlaken wegen Besucherschwund umsortieren muss! Hier ist ebenfalls der Gegentrend (zum Erdhaften) stärker einzuschätzen – mind. im Tourismus.
     
  6. Upside Down:
    „Der Gegentrend zum Gut-Sein-Trend….“ = Ist das glaubhaft: „Politische Unkorrektheit als Spaßprinzip“? Natürlich will die „Mehrheit der Normalen“ immer bei den „stärkeren Bataillonen“ sein. „Wir sind die Guten“, diese Standard-Floskel in Yankee-Filmen soll FBI und GI in gutes Licht rücken. Und was heißt eigentlich „politisch unkorrekt“? Sind das nur jene, die nicht alles nachplappern, was die veröffentlichte Meinung (nicht die „öffentliche“) vorkaut? Oder die aktiv Gegenposition beziehen?
     
  7. Urbaner Eskapismus:
    Gibt es wirklich die „neue Synthese von Urbanität und Abenteuerlust“? Vielleicht. Vor allem, wenn man Shopping (das ist fast nur urban möglich) und Schnäppchen-Jagd dazu zählt.

Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Geben wir dem Markt, was er braucht – oder das was er will? Weiß denn der „Konsument“, der Reisewillige, was er WIRKLICH will? Oder gibt es da noch Möglichkeiten der Überzeugung? Nicht der Überredung

Aber auch Horx weiß:

  • Es gibt nie nur „Trends“ (die dazu noch allzu oft auch „gemacht“ sind - á la Faith Popcorn & Co.), sondern…
  • …zu jedem Trend gibt es immer einen Gegen-Trend

Diese Gegentrends gilt es aufzuspüren, wenn man Profil gewinnen und nicht nur „mitschwimmen“ will. Und dabei darauf zu achten, dass nicht allzu viele Ähnliches tun.

  • Das Machbare machen.
  • Kooperationen nicht nur wegen „Spar-Potenzialen“ eingehen.
  • Vor allem eigene Stärken verbessern - und damit überzeugen.

Das bleibt ein Mittel, um zukunftsfähig zu bleiben.
Aber das sieht bei jedem Ort, in jeder Region anders aus.
 

Gerhardt Armin Hepp
im November 2010

 

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